Wer fotografiert, manipuliert.
Herkunft unbekannt
Dieser Satz drückt aus, dass es das absolut objektive Bild nicht gibt!
Jedes Bild ist subjektiv, jedes Bild ist eine mehr oder weniger gewollte Interpretation der „Realität“,
man spricht deshalb auch von der „Fotografischen Realität“.
Die eingesetzte Technik, unter anderem, die Wahl von Brennweite und Blickwinkel,
von Belichtungszeit und Blende und auch Schärfe und Unschärfe, spielen dabei eine wesentliche Rolle.
Ich fotografiere, um herauszufinden, wie es aussieht, wenn es fotografiert wurde.
Garry Winogrand
Definition
Hier nun ein Versuch den Begriff Manipulation zu definieren:
Manipuliert
- wenn man Bildern etwas hinzufügt, (Teile eines anderen Bildes) oder entfernt („unpassende oder störende Teile“ im Hintergrund).
- wenn Bilder verfremdet* sind, was aber meistens sofort ersichtlich ist.
- wenn Bilder arrangiert sind. (Hier klingt zwar der Begriff: „Manipuliert“ sehr hart – genau genommen – ist es aber so.)
Um nicht Authentizität zu suggerieren, sollten solche Bilder als „verändert“ z.B. als Montage, gekennzeichnet sein.
Besonders in Sachen Naturfotografie sollte man auch bedenken, dass veränderte Bilder oder Motive in vielen Fällen für die Wissenschaft wertlos sind.
* Hinweis: Durch den Einsatz sehr kurzer oder sehr langer Brennweiten, sehr langer Belichtungszeiten oder extremer Blickwinkel, sowie durch den Einsatz von Blitzlicht, kann auch ein gewisser Verfremdungseffekt entstehen.
(Dies gilt aber als allgemein üblich und wird am besten mit dem Begriff „Fotografische Realität“ umschrieben.)
NICHT Manipuliert
- wenn Mängel die bei der Aufnahme oder Filmentwicklung entstehen, behoben werden z.B.: Verkantung, Farbstiche, Kratzer und Flecken.
(Auch Digitalkameras liefern nicht immer technisch perfekte Bilder, so dass man, um optimale Ergebnisse zu bekommen, eine leichte Nachbearbeitung wie: Hotpixel und Sensorstaub entfernen, „Schärfen“ oder „Tonwertkorrektur“ meistens notwendig ist.) - technische Hilfsmittel zum Einsatz kommen, die unser eingeschränktes Wahrnehmungsvermögen erweitern (z.B.: Polfilter).
- ein Bild beschnitten wird, sei es um einen engeren Bildausschnitt zu bekommen oder um den schiefen Horizont zu korrigieren.
Diese Definition ist möglichst einfach gehalten und subjektiv. Eine gewisse „Grauzone“ ist – auch auf Grund der Kürze dieser Definition – nicht zu vermeiden.
Kennzeichnung
Damit man die Bilder eindeutig zuordnen zu kann, ist eine Kennzeichnung eigentlich unumgänglich!
Für die Bilder auf diesen Seiten habe ich mich für folgende Kennzeichnung entschlossen:
- (A) Authentisch
- So in freier Natur vorgefunden
- (C) Captive
- Zoo, Gehege oder Studio
- (M) Manipuliert
- (siehe oben)
Beispiele
Hier wurden vier Bilder zusammengesetzt. (M) |
Dieses Bild wurde mit Corel Photo Paint bearbeitet. (M) |
Ein Freund brachte mir diesen Nachtfalter (Mittlerer Weinschwärmer) zur Artbestimmung. |
Gedanken
„Manipulierte“ Bilder, (manche Gefallen auch mir) haben durchaus ihre Berechtigung und können schön und ansprechend sein,
sollten aber, um Fehlinterpretationen vorzubeugen, als solche gekennzeichnet sein.
Ein ganz wesentliches Stück dessen, was für mich Fotografie ausmacht, geht hier allerdings (fast) verloren. Nämlich, das
Sehen, Wahrnehmen und Erkennen der Motive, sowie das Erkennen der Möglichkeiten wie diese Motive mit den herkömmlichen
Mitteln der Fotografie in Bilder umgesetzt werden können. Das sind im Wesentlichen: der Umgang mit Licht und Schatten, die Wahl
von Brennweite und Blickwinkel, der gezielte Einsatz von Belichtungszeit und Blende, sowie von Schärfe und Unschärfe.
Es scheint außerdem – warum auch immer – so zu sein, dass offenbar vielen, eine konstruierte – sprich manipulierte
Welt – oder „Traumwelt“, lieber ist als die „Realität“.
Gerade in der Naturfotografie sollte aber die Dokumentation der „Realität“, selbst wenn es sich „nur“ um „Fotografische Realität“
handeln kann, höchste Priorität haben und nicht aufs Rohmaterial sammeln, aus dem man sich dann am Computer
seine „Traumwelt“ zusammenbastelt, reduziert werden.
Es ist doch wesentlich faszinierender, wenn ein sehr gutes Bild – egal ob es digital oder analog aufgenommen wurde –
obendrein auch noch dokumentierte „Wirklichkeit“ ist.
An erster Stelle steht für mich daher, (nach wie vor) das schöne Bild, das nicht manipuliert wurde.
Ich sehnte mich danach, alle Schönheit, die mir vor Augen kam festzuhalten
und schließlich ist diese Sehnsucht befriedigt worden.Julia Margaret Cameron
Brauchen wir genmanipulierte und gedopte Naturfotografien?
Das echte Naturfoto ist ein Spiegelbild des Lebens – das manipulierte ist seine Parodie.Fritz Pölking
Nachtrag: Dieser Artikel über Bildmanipulation ist in seiner Urfassung bereits einige Jahre alt. Manipulationen aller Art gab es in der Geschichte der Fotografie schon immer und wird es auch immer geben.